Am leichtesten erkennt man eine Gaube an ihrem Dach, das eine, zwei oder drei Flächen hat, nahezu eben ist oder in einer Welle verläuft. Die Seitenwände einer Gaube heißen Wangen, die Vorderseite mit dem Fenster heißt Front.
Schleppgaube
Die Schleppgaube hat ein einzelnes Dach, das aus der Hauptdachfläche herauskommt und flacher als diese zur Front hin abfällt. Sie lässt sich schmal oder sehr breit bauen, und an der Front ist die Raumhöhe über die ganze Breite gleich. Sie passt, wenn auf einer Dachseite viel Stellfläche gebraucht wird, etwa für ein Bad oder ein Arbeitszimmer.
Weil ihr Dach flacher ist als das Hauptdach, muss die Deckung zu dieser Neigung passen. Hersteller nennen als Regeldachneigung, also die Neigung, für die eine Deckung ohne Zusatzmaßnahmen gedacht ist, für Falzziegel mit Ringfalz 22° und für Biberschwanz in Doppeldeckung 30°. Darunter braucht es Zusatzmaßnahmen unter der Deckung, etwa ein Unterdach, oder eine andere Deckung.
Satteldachgaube oder Giebelgaube
Die Satteldachgaube hat zwei geneigte Dachflächen mit einem First und an der Front ein kleines Giebeldreieck. Sie passt, wenn die Gaube die Form eines Satteldachs aufnehmen und wie ein kleines Haus im Dach stehen soll. Dort, wo ihr Dach auf das Hauptdach trifft, entstehen zwei Kehlen, also Rinnen in der Dachfläche, die eingedeckt oder mit Blech ausgekleidet werden.
Flachdachgaube
Die Flachdachgaube hat ein nahezu ebenes Dach, das mit Bitumen- oder Kunststoffbahnen abgedichtet wird. Sie passt zu Häusern mit klaren, kantigen Formen und überall dort, wo eine breite Gaube mit gleicher Raumhöhe entstehen soll. Ihr Dach braucht wie jedes Flachdach ein leichtes Gefälle und einen sauberen Anschluss der Abdichtung an die Deckung des Hauptdachs.
Walmgaube
Die Walmgaube hat drei Dachflächen, weil zum Satteldach der Gaube vorn eine dritte, schräge Fläche kommt. Sie passt zu Walmdächern und zu Häusern, bei denen sich die Gaube möglichst ruhig in die Dachfläche einfügen soll. Zu den Kehlen kommen zwei Grate, also die Kanten, an denen zwei Dachflächen außen zusammenstoßen.
Trapezgaube
Bei der Trapezgaube stehen die Seitenwände schräg, sodass die Front von vorn wie ein Trapez aussieht. Sie passt, wenn die Gaube breiter wirken und weicher in die Dachfläche übergehen soll als eine Gaube mit senkrechten Wangen. Die schrägen Wangen machen die Anschlüsse an die Deckung aufwendiger als bei der Schleppgaube.
Fledermausgaube
Die Fledermausgaube hat keine Seitenwände. Ihr Dach steigt in einer geschwungenen Linie aus der Dachfläche auf und läuft seitlich wieder in sie aus, die Front ist ein flacher Bogen. Sie passt zu kleinformatigen Deckungen wie Biberschwanz, Schiefer oder Reet, die sich der Rundung anpassen lassen, und zu Häusern, auf denen die Gaube unauffällig bleiben soll.
In der Schnödeneck-Siedlung in Sindelfingen, einem Kulturdenkmal nach Plänen von Paul Schmitthenner, finden sich Fledermausgauben neben Oval- und Rundbogengauben und rechteckigen Dachhäuschen. Die ersten 24 Häuser entstanden 1919/20, bis 1923 waren es 80 Bauten mit Walm- und Schopfwalmdächern.
Weitere Formen
Seltener sind die Spitzgaube mit dreieckiger Front, die Rundgaube mit halbrundem Fenster und die Ovalgaube, die man auch Ochsenauge nennt. Ein Zwerchgiebel zählt streng genommen nicht zu den Gauben. Seine Front steht in einer Flucht mit der Außenwand des Hauses und reicht durch die Traufe, die untere Dachkante, nach oben.